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Hab ich überhaupt Freunde?

(15.4.2007)

Freunde?
Freundschaften?

Ich bin fast 40 Jahre alt.
Aus meiner Kindheit ist mir ein einziger Freund geblieben: der Ernsti.
Aus meiner gesamten Schulzeit ist mir ein einzigen Freund geblieben: der Michi.
Und dann hab ich NOCH zwei, drei Freunde.
Mit weiteren Zweien musste ich mich, aus geschäftlichen Gründen, leider zerstreiten.

Im Rahmen eines Interviews mit mir, anno 2006, meinte der Lebenshilfe-Buch-Bestseller-Autor Josef Kirschner:

„Als Egoist will ich für mich das Beste haben. Und ich will mich nicht mit ,Freunden' verzetteln, die nicht wirkliche Freunde sind. Ich habe einen sehr hohen Anspruch an Freundschaft. Ein Freund muss spüren, wenn ein Freund ihn braucht. Und zwar ohne, dass der Freund ihn bitten muss. Denn, wenn man den Freund bitten müsste, könnte man den Freund in Verlegenheit bringen. Doch, einen Freund bringt man nicht in Verlegenheit.“

Kirschner, der über 10 Millionen Lebenshilfe-Bücher verkauft hat, weiter: „Einen wirklichen Freund würde ich sogar dann schützen, wenn er von der Polizei wegen Mordes gesucht werden würde. Als Freund stehe ich nämlich auch in der schwierigsten Situation zu ihm. Mir ist der Freund wichtiger als der Staat und als die Moral.“

Ich finde: Viele Freunde – die man sogar dann schützen würde, wenn sie mutmaßliche Mörder wären... - gibt es nicht. Viele Freunde zu haben, das ist auch gar nicht wichtig.

Warum glaub ich irgendwie, dass ich früher mehr Freunde hatte?
Antwort: Weil ich früher einfach anders war und eine andere – oberflächlichere - Definition für Freundschaft und Gesprächs-Inhalte pflegte.

So, wie jeder Mensch, hab auch ich mich im Laufe der Jahre, auf Grund meiner ganz persönlichen Erfahrungen, Erlebnisse und Vergleichswerte, verändert.
Heut bin ich anspruchsvoller.
Primär eingeworfene Diskussions-Themen von Ex-Freunden wie „Betrügen – ach wie lustig“, „Bier saufen“, „schnaxeln wollen“, „Puff“ etc. interessieren mich nicht (mehr).
Kurzum: Bis auf ein gelegentliches Aufflackern dieser nostalgischen Erinnerungen aus der Rubrik „Was waren wir doch deppert...?“ sind diese alten Freundschaften für immer weg. Die Erinnerungen daran hab ich schließlich auch ohne diese alten Freunde. Und bei Bedarf ruf ich sie sogar ab.

Was tun?
Neue Freunde finden?
Durch die eigenen Kinder im Kindergarten etwa?
Über die Schulfreunde der Kids?
Durch eigene Berufs-Umstiege?
Gut möglich. Wünschenswert.

Doch, wahre Freundschaften brauchen meist eine gemeinsame Basis. Eine gemeinsame Wurzel. Und diese gemeinsame Basis, diese starke, natürlich gewachsene Wurzel, ist all zu oft – viel zu oft... - die gemeinsame Kindheit und die Jugend. Das Früher. Das gemeinsam Erlebte. Das Prägende. Das Unvergessliche. Das, was mich jetzt allerdings nicht mehr weiter bringt. Das, was mir jetzt nicht mehr nutzt.

Kein Baum wächst in den Himmel. Es wachsen immer neue Zweige. Und zwar in die verschiedensten Richtungen...

Seitdem ich mich damit abgefunden habe und sogar öffentlich zugeben kann, dass mir in Wahrheit nicht einmal eine Handvoll Freunde geblieben ist, sind komischerweise einige entzückende Menschen dazugekommen, mit denen sich durchaus Freundschaften entwickeln könnten.

Die Schauspielerin Konstanze Breitebner sagte mir einmal: „Ich wollte meinen Beruf, Schauspielerin, aufgeben. Ich hatte einfach keine Angebote mehr... Jedoch, in dem Moment, wo ich innerlich wirklich losgelassen habe von meinem Traumberuf Schauspielerin und ernsthaft Alternativen ins Auge fasste...

... in diesem Moment bekam ich das Angebot für die Fernsehserie ,Schlosshotel Orth’.“

Und damit wurde Konstanze Breitebner in ihrer Rolle als „böse Carla Prinz“ bekannt wie nie zuvor. - Im gesamten deutschsprachigen Raum...

Ich muss kein Nobel-Preisträger sein, um zu erkennen: Auch bei „alten“ Freundschaften muss man mitunter loslassen.

Dann ist „er“ oder „sie“ in meiner Werteskala künftig eben KEIN Freund mehr, sondern „nur mehr“ ein guter Bekannter. Na und?

Der einzige Unterschied zwischen „Freund“ und „gutem Bekannten“ ist wohl der Folgende:

Wenn mir ein Freund um 3 Uhr nachts via Telefon seinen Liebeskummer klagt, leg ich auf. - Und fahr direkt zu ihm hin.

Einem „guten Bekannten“ rate ich via Ferngespräch: „Schlaf doch erst mal eine Nacht drüber“.
Ich leg auf.
Und schlaf weiter.

Ich hab nur ein paar Freunde. Doch, diese Kontakte pflege ich jetzt. Das ist MIR wichtig.

Freundschaftliche Kontakte muss man gießen wie Blumen. Sonst wird’s nichts.

In diesem Sinne: Ruf doch mal an...

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