(14.4.2007)
Im Zweifelsfall geh ich lieber davon aus, dass Handys (Mobiltelefone) und die damit verbundenen Handymasten (mit ihrer unsichtbaren Strahlung) meiner Gesundheit NICHT unbedingt förderlich sind. Und jener meiner Kinder, für die ich nur das Beste will, auch nicht.
Inwieweit das Handy am Kopf, am Ohr wirklich gefährlich und gesundheitsschädlich ist, weiß wohl niemand so genau. Langzeitstudien über X Jahrzehnte zu diesem Thema kann es logischerweise noch keine geben, weil es die Mobilfunkanlagen in dieser Dichte noch nicht lange gibt. Punkt.
Wenn jemand mit mir darüber diskutieren möchte, stehe ich auf und gehe. Da diskutier ich lieber mit jemandem, der behauptet: Katzen bellen und Hunde miauen.
Das erste Problem: Praktisch jeder hat schon ein Handy. Kaum jemand verzichtet auf diese moderne Bestrahlung durch Handys.
Das zweite Problem: Auch wenn ICH darauf verzichte und mein Handy ein für alle Mal dem Sondermüll anvertraue, bin ich trotzdem der Strahlung rund um mich ausgeliefert. Auch deshalb, weil Bund und Gemeinde mit Handymasten auf „ihren“ Gebäuden ziemlich Geld verdienen.
Eine kleine Lösung: Ich drehe mein Handy oft ab. Zum Beispiel im Auto, aber auch zu Hause. Ich versuche, mich vom Handy, das mich ohnehin zu 90 Prozent nervt, unabhängig zu machen.
Eine der erfolgreichsten und bekanntesten Geschäftsfrauen Österreich ist die Fernsehmoderatorin Barbara Stöckl. Ich glaub, die hat bis heute kein Handy. Und wenn, dann hat sie es praktisch nie eingeschaltet.
Jetzt bin ich aber auch Journalist und sollte angeblich mehr oder weniger „jederzeit“ erreichbar sein.
Bin ich auch.
Via E-Mail.
Wenn wer was will, soll er mir eine E-Mail zusenden. Okay, ich sitze nicht den ganzen Tag vorm Internet, das heißt: Meine E-Mails werden von mir nicht in Echtzeit gesehen. - Aber während der üblichen Bürozeiten immerhin bis zu zweimal am Tag abgerufen.
Nehmen wir nun an, ich bin ein Journalist, der ziemlich viele ziemlich persönliche Interviews führt. Und, sagen wir, ich bin noch dazu ein Journalist, der sein Handy bei Interviews und bei Veranstaltungen, zu denen er geladen ist – allein schon aus Höflichkeitsgründen – abdreht.
Da bin ich ja auch nicht gleich erreichbar.
Stellen Sie sich vor, Sie interviewen gerade den Brandauer. Er erzählt. Er öffnet sich. Er gesteht. Dann läutet Ihr Handy.
Sie sagen zum Brandauer „Momenterl“, heben ab und erklären Ihrem anrufenden Freund, dass Sie sich zum Tennis leider verspäten werden, weil Sie noch den Brandauer fertig interviewen müssen.
Glauben Sie, dass der Brandauer noch da ist, wenn Sie aufgelegt haben?
Eine wahre Begebenheit:
Pressekonferenz mit Oscar-Preisträger Maximilian Schell in Wien. Ende 2006. Die Kameras laufen. Schell erzählt.
Bingo.
Mein Handy läutet.
Schell ist gestört und unterbricht. Blickt zu mir. Fragt mich: „Ihre Frau?“
Klar wollte ich schlagfertig antworten: „Nein, Ihre...“
... aber in einer solchen Situation versinkt man eher im Erdboden.
Kurzum: Was die Telekommunikation betrifft, bin ich ein Fan des guten, alten Telefon-Anrufbeantworters: Jeder, der die Nummer hat, kann draufquatschen. Die „Wichtigen“ werden gleich nach dem Abhören zurückgerufen. Und die Unwichtigen, ohne mit der Wimper zu zucken, gelöscht.
Mein Handy benutze ich zunehmend nur dann, wenn ICH selbst dringend telefonieren möchte. Aber das kommt selbst in meinem „tagesaktuellen Geschäft“ nur ganz, ganz selten vor. Es gibt ohnehin Konferenzen, in denen geplant wird. Es gibt regelmäßige Kontakte zur Redaktion. Und bei den für mich wichtigen Ereignissen bin ich sowieso vor Ort.
Dass gewisse Berufsgruppen wie diensthabende Notruf-Ärzte oder die Freiwillige Feuerwehr am besten jederzeit erreichbar sein sollten, ist natürlich klar. Aber das ist doch eine Minderheit. Wir, die „Normalos“, sind der grassierende Handy-Wahnsinn, der mich tagtäglich mindestens zehnmal irgendwo stört.
Der Ausdruck „aufs Handy quatschen“ assoziiert jedenfalls nicht „SOS“, sondern „Quatsch“. Doch, mit Quatsch vergeude ich meine Zeit nicht.
Wenn ich abdreh, fühl ich mich wohler.
Wenn ich lese, möchte ich einfach nicht gestört werden.
Auch nicht beim Duschen.
Auch nicht im Bett.
Auch nicht beim Essen.
Auch nicht beim Blumengießen.
Auch nicht beim Türe-Aufsperren mit sechs Einkaufssackerln in den Händen.
Auch nicht beim Musikhören.
Auch nicht, wenn ich beim Heurigen mit Freunden zusammen sitze und gerade den besten Witz meines Lebens höre.
Nicht einmal am Totenbett.
Faszinierend: Das Handy-Abschalten und das damit verbundene Nicht-Läuten ebendiesen ist eine Form des inneren Glücks, das jetzt gleich auf Knopfdruck hergestellt werden kann.
Als mein Arbeitgeber starb (was für mich kein unwesentliches Ereignis war), hab ich das aus den Nachrichten erfahren. Obwohl ich mein Handy, damals noch, Tag und Nacht, aktiviert gehabt hatte...
Den für mich schönsten Interviewtermin meines Lebens (mit Weltstar Engelbert Humperdinck; „Please, release me“) hab ich als gedruckte Presse-Aussendung aus dem Mistkübel eines Kollegen gefischt.
Und meine Frau hab ich – ach wie Steinzeit-mässig – nicht etwa via Handy, sondern auf einer Party persönlich kennen gelernt.
Ja, nicht einmal von der Geburt meiner beiden Kinder hab ich via Handy erfahren, da ich es vorgezogen habe, live dabei zu sein.
Und zwar ohne Handy.