(14.4.2007)
Gestern, Freitag Mittag, haben sich unsere beiden kleinen Töchter kleine Freunde nach Hause eingeladen. Drillinge. Zwei Mädchen, ein Bub. Da ihre Eltern gerade umziehen, sind die Kinder heut noch immer bei uns. Bis 15 Uhr war alles sensationell brav. Doch dann drohte die Stimmung etwas zu kippen. Denn plötzlich haben sich alle fünf Kinder aufgeführt wie ... Kinder.
Meine Frau rief einen allgemeinen Spaziergang aus.
Ein kleiner Befeiungsschlag sozusagen – einfach raus!
Nein, kein Spielplatz im Zielgebiet.
Auch keine Hochschaubahn.
Nix tolles.
Nur ein fader Feldweg.
Einfach nur Gehen.
Allgemeines Murren der Kids.
„Aber Pferde gibt es dort, wo Ihr hingeht“, höre ich mich sagen - doch der Blick meiner Frau stellt klar: „...dort, wo WIR hingehen.“
Verstanden.
Ich auch Spazieren gehen.
Andererseits: Das hab ich eh schon lang nicht mehr gemacht. Seit 1997 oder so.
Da ich mein Leben eh ein bisserl ändern will, geh ich (ohne groß Ausreden zu suchen) einfach mit – und suche mit dem ersten Schritt kurzfristig unwiderlegbare Vorteile in dieser drohenden, „guten“ (?) Stunde.
1. Frühsommerliches Wetter, Natur, Blüten. Naja...
2. Sonne scheint – ich werde also ein bisserl brauner (und somit schöner). Klingt schon besser...
3. Bewegung – ist - gesund. Fördert die Durchblutung und so. Haxen werde ich mir schon keinen brechen bei dieser, für mich, eher ungewohnten Übung.
4. Gleich, wenn ich zurück komme von meiner Wanderschaft, belohne ich mich mit einem guten Drink. = Mein kleines Ziel = meine kleine Selbstmotivation. Quasi die Karotte vor meinem Kopf.
„Und die Kinder bekommen NACHHER ein Eis!“, sorgt meine Frau nun auch für einen kollektiven Motivationsschub. Somit ist hier nicht der Weg das Ziel, sondern eigentlich ist ... das Ziel das Ziel. Weshalb ich nicht gleich am Ziel bleibe?
Frau.
Gute Vorsätze.
Wir gehen so dahin mit „unseren“ fünf kleinen, etwa gleichaltrigen Kindern, und irgendwie erntet meine Frau von den Entgegenkommenden bewundernde, schmunzelnde Blicke. Ich flüstere ihr zu: „Das nächste Mal, wenn wir mit den Fünf unterwegs sind, polsterst du dir auch noch deinen Bauch aus und schiebst Spaß halber auch noch einen Kinderwagen vor dir her...“
Beide lachen wir.
Zum ersten Mal heute.
Was so ein kleiner Spaziergang alles bewirkt...
Von den, von mir ursprünglich erwarteten, 20 Pferden sehen die Kinder immerhin zwei. Allerdings in 30 Metern Entfernung und mit den Hintern zu uns. Bevor den Kids die neuesten Kraftausdrücke aus dem Kindergarten einfallen, sage ich: „So, aber jetzt gibt es gleich das Eis. Mhm... Wird das gut. Kommt, gehen wir.“
Angesichts der friedlichen, wunderbaren Pferde überlege ich, wann ich denn meine letzte saftige Leberkässemmel verzehrt habe. Das ist mindestens schon vier Monate her.
Super, denk ich mir. So lange schon...
Ich möchte nämlich auch von Fleisch und Wurst wegkommen. Schnitt für Schnitt sozusagen.
Beim Fisch war ich Gott sei Dank eh nie.
Ich find’s nämlich als eine echte Sauerei, was da mit den Tieren aufgeführt wird. Tiere werden aus ihren Familien heraus gerissen, zur Schlachtbank geführt und einfach getötet. Überall Blut. Kadaver. Gestank. Tier-Leichen, wohin man blickt.
Gehen wir doch einmal hinein, in so einen Schlachthof. Gönnen wir uns diesen „kulinarischen Spaß“, bevor’s auf unserem Teller landet.
Warum gibt es im Fernsehen eigentlich so wenig kritische Berichte über dieses Thema? Reality-TV aus dem Schlachthof sozusagen. Und zwar unmittelbar vor der lukrativen Fernsehwerbung von Firmen wie Billa & Co. Das wär doch mal was.
Dass Menschen an Fettsucht und an ihrer ungesunden Ernährung sterben, kann durchaus auch als Rache der Natur, als Rache der Tiere verstanden werden.
Auch ich fühlte mich mitunter als einer dieser unansehnlichen Männer, dem es den Schweiß aus dem fetten Gesichter trieb, wenn er gerade dabei war, die servierte Sau zu zerlegen und sich in der prallen Sonne das vierte Krügerl Bier hinter die Birne goss.
Arm...
Dankbar bin ich, dass ich mir Derlei jetzt endlich so richtig bewusst machen kann. Und Dankbarkeit hat nicht selten Heiterkeit zur Folge.
Ich bin kein Vegetarier. Und ein Veganer schon gar nicht. Ich will ein Lebens-Genießer sein. Und zwar in allen Bereichen. Doch ohne Askese gibt es keinen Genuss.
Im Moment versuch ich es jedenfalls so:
Schwarzbrot, ein bisserl Butter mit Ei-Scheiben und frischen, duftenden Schnittlauch drauf – köstlich.
Keine Fertigpizza, sondern einmal die Woche eine frische Pizzeria-Pizza „nur“ mit Käse, Tomaten, Mais und Champignons drauf – schmeckt auch.
Spaghetti Carbonara.
Knuspriges Vollkornbrot mit Gervaiskäse oder Bresso und Schnittlauch – waoh! Lecker.
Palatschinken, gefüllt mit Champignons.
Einmal pro Woche eine Eierspeise in der Früh.
Schwarzbrot-Käsetoasts.
Frischer Spargel mit ein bisschen Sauce Hollandaise.
Die köstlichsten Suppen...
Tofu – wie beim Chinesen.
Salate, Mozarella...
Soletti mit Liptauer (hier und da)...
Einmal pro Woche durchaus auch ein Wiener Schnitzel mit Pommes Frites, sonntags eine leckere Torte mit Schlagobers. Warum nicht?
Die „Sünde“ gehört doch zum Leben dazu.
Und gutes Essen – im passenden Rahmen! - macht ja auch happy. Eben mit Maß und Ziel. Und mit ein bisserl Nachdenken und der nötigen Konsequenz. Doch dazu mehr an anderer Stelle. Sofern’s interessiert.
Rückblickend betrachtet, war dieser etwa 70-minütige, gar nicht so „fade“ Spaziergang halb so schlimm. Ich denke, dass sich dabei ganz gut(e) Gedanken sammeln lassen.
Die Kinder waren brav beim Spaziergang. An der frischen Luft wurden sie etwas müder und somit leiser. Irgendwie kommt mir vor, dass sie ihr anschließendes Belohnungs-Eis doppelt genossen haben. Jedenfalls mehr, als wenn wir es ihnen gleich, „einfach so“ in den Mund geschoben hätten. – Nur, um sie ruhig zu stellen.