(14.4.2007)
Das, was mir die Nachrichtensendung „Zeit im Bild“ ab 19.30 Uhr im ORF erzählt, ist für mich (Internet-Generation) praktisch nicht neu. Und wenn etwas neu ist, dann ist es mir erfahrungsgemäss relativ egal. Und ein Skandal verbessert mein Leben nicht. Ein Skandal macht mich weder zufriedener noch glücklicher. Ich brauch keine Skandale. Wenn unser Staat funktioniert, dann werden die Schuldigen schon gefunden werden.
Die, in etwa zeitgleich ausgestrahlte, neue ORF-Sitcom „Mitten im 8en“, richtet sich, laut Quotenindiz, bereits nach wenigen Stunden von selbst. Ich hab zwar noch keine einzige Folge gesehen, mir geht aber trotzdem nix ab.
Selbstverständlich muss jeder öffentlich-rechtliche Fernsehkanal seine Hauptnachrichtensendung haben, wo über wichtige Themen wie ministerielle Kondomverteilungen oder Rasiergewohnheiten berichtet wird. Und, wie man sieht, darf dem am anderen öffentlich-rechtlichen Kanal zeitgleich nichts Intelligentes gegen programmiert werden. Sonst kämen ja erst wieder die Politiker-Messages in den Nachrichten zu kurz. Licht am Tag? Ja? Nein? Tempo 100: Ja? Nein? Gusi eh noch in der SPÖ? Molterer immer noch da? Grasser schwanger? Ja? Nein? Vielleicht? Wie wird das Wetter in 15 Tagen? Kultur? Gibt’s die noch? Ja? Wo...? Schüttet Nitsch wieder? Glauben die Starmaniacs immer noch, sie sind was Besonderes? Fußball in Österreich: Noch immer im Sport- oder schon im Gerichtsteil?
Ist doch alles relativ wurscht.
Nur eine Minderheit interessiert Nitsch.
Nur eine Minderheit geht in die Staatsoper.
Und wie das Wetter in 15 Tagen wird, seh ich dann eh.
Der ganz bewusste, weitest gehende Verzicht auf derlei tagtäglich millionenfach Gepushtes und Beworbenes bedeutet für mich eine völlig neue Lebensqualität. Auch mein Abend ist jetzt plötzlich freier. Ich hab mehr Zeit - auch für meine Kinder.
Endlich weiß ich, wann meine Größere in Kürze Erstkommunion hat und welches Kleid sie dabei anziehen wird. Ich hatte sogar schon Zeit, es mir von ihr vorführen zu lassen. Auch diverse Goodies nach der Kirche konnten wir bereits andiskutieren, und ich hoffe, dass meiner Weisung „Prater scheidet an diesem Tag aus“ letztendlich doch Folge geleistet wird. Denn auch das ungeduldige Warten auf das Freiwerden eines Ringelspiels ist wertvolle LebensZEIT.
Meiner kleineren Tochter hab ich gezeigt, wie man die Batterien ihres Oster-Geschenks wechselt. Und warum sie so eingelegt werden und nicht anders. Und warum AAA und AA nicht zusammenpassen. Mein Gott, plötzlich hatte ich Zeit dafür... Bislang sagte ich bei ähnlichen Gelegenheiten reflexartig: „Frag die Mama – Papa muss doch Nachrichten schauen.“
Gar nichts muss ich.
Warum MUSS ich Nachrichten schauen, wenn ich eh schon alles weiß oder es mich eh nicht interessiert? Bislang war das doch nur eine faule Ausrede dafür, um eine halbe Stunde lang faul auf der Couch zu liegen und meine Ruhe zu haben. Rückblickend betrachtet: reine Zeitverschwendung.
Ab sofort mach ich abends lieber Gymnastik! Ich tu was für mich und für meinen Körper.
Zwar wird mir das anfangs unheimlich schwer fallen, weil ich ziemlich eingerostet bin, aber: Einen Versuch ist es allemal wert. 20 Kniebeugen, 10 Liegestütz und ebenso viele Klappmesser. Mal sehen, ob das überhaupt noch geht. Und wenn mir meine Kinder dabei zusehen, ich wette, sie werden lachen, wie bei keinem TV-Kinderprogramm um diese Zeit.
Abgesehen davon, habe ich jetzt sogar Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt absolviert. Und ich beschäftige mich damit, was bei diesen „normalen“ Vorsorgeuntersuchungen („auf Krankenkassa“) alles vorsorglich untersucht wird, und was alles nicht. Erstaunlich, erstaunlich.
Jedenfalls sind das jetzt wichtige Themen für mich. Mit fast 40 komm ich drauf, dass Gesundheit doch nicht so unwichtig ist, wie man mit fast 20 glauben mag. Der Sinn der Zeit ist, sie zu erkennen.
Sie sehen: In dieser Serie möchte ich mich primär mir selbst widmen. Keineswegs möchte ich Ihnen sagen, was SIE tun sollten. Ich mag es ja auch nicht, wenn zu mir jemand sagt: „Mach das! Mach das!“
Nein.
Damit SIE etwas verändern, muss es bei IHNEN „Klicks“ machen...
Meines hier, kann bestenfalls ein kleiner Anstoß dafür sein.