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Schauen wir doch, dass es UNS gut geht...

(12.4.2007)

Böse Zungen behaupten: Das einzig wirklich Neue an dieser groß angekündigten, jüngsten ORF-Programmreform ist die Bluse der Nachrichten-Moderatorin.

Und inwiefern ein ehemaliger ORF-Taxichauffeur und die Familie Rudle in dieser neuen täglichen ORF-Comedy wirklich lustig sind, sollen andere diskutieren. Ich hab’s auch noch gar nicht gesehen. Privat interessiert mich das alles nämlich nicht mehr sehr.

Ich nähere mich meinem 40. Lebensjahr – und vielleicht habe ich schon länger gelebt, als ich noch leben werde.

Jedenfalls möchte ich mich ab sofort nur noch mit jenen Dingen befassen, die mich positiv stimmen und heiterer machen – und meine Zeit möglichst sinnvoll nutzen. Nutze den Tag. Nutze den Augenblick. Was in mich gefahren ist, darüber werde ich vielleicht später einmal schreiben. Aber, es ist etwas passiert...

Ich werde künftig nicht mehr so viel fern-schauen und in den Computer schauen und woanders hin schauen, sondern auf MICH und auf mein unmittelbares Umfeld schauen.

Zum ersten Mal überhaupt setzte ich mich heute hin und beobachtete ganz bewusst die Natur; die Geburt eines Grashalmes.

Mir ist egal, was Sie jetzt denken. Ich freu mich auch nicht, dass Sie jetzt auf meiner Seite sind. Ich kenn Sie ja (noch) gar nicht. Im Grunde genommen, schreibe ich ja hier auch nicht für Sie, sondern für mich. Ich schreibe in erster Linie, weil es MIR Spaß macht.
Den zweiten und dritten Grund verrate ich Ihnen (noch) nicht.

Haben Sie die neue ORF-Comedy schon gesehen? Ja? Und? War’s super?
Super!

Irgendwelche neuen Nachrichten?
Alles okay mit dem Elsner?
Ja?
Super.

Klimawandel noch immer da?
Hm...
Sowas aber auch.

19.30 Uhr.
Die „Zeit im Bild“ sollte gerade beginnen.
Und die neue, lustige ORF-Comedy mit der Familie Rudle längst laufen.
Und dann kommt auch noch die echte „Liebe Familie“...
Bestimmt ist Ihr Zwerchfell schon bei den Trailers eingerissen.

Und ich Ignorant sitz hier im Garten, in der Natur, und genieße den wunderschönen April-Abend im Freien. Ja, bin ich denn ein Narr? Das ist doch nicht Media-gehypter Mainstream.

Da werde ich ja gar nix wissen morgen. Da werde ich gar nicht wissen, wie es dem Elsner und dem Klimawandel geht; Ob einer von den beiden ausgebuht wurde und wie lustig die liebe Familie Rudle war. Oder die liebe Familie Rumpold.
Da werde ich ja dann gar nicht mitreden können. Zum Gespött der Kollegenschaft und zum Außenseiter werde ich werden. Zum Nixwisser. „Nicht einmal über die Eurofighter weiß er was, der Dummkopf. Pfui! Schließt ihn aus, aus der Gruppe!“

Aber, ich geh jetzt einfach diesen Weg. Das steht fest.

Denn wenn’s mich wirklich interessieren würde, dann würde ich ja eh zuschauen, im Fernsehen. Aber, erfahrungsgemäß ändert es mein Leben nicht. Schon gar nicht ins Positive. Oder streuen Sie Glückshormone aus, wenn Sie den Molterer oder den Bartenstein im Fernsehen sehen?

Wenn mir der Molterer via Radio ausrichtet, ich kann mir vom Finanzamt jetzt mein Geld zurück holen, frage ich mich, warum es das Finanzamt überhaupt hat. Und wer die Zinsen meiner zu viel bezahlen Steuern einstreift.

Die Vögel zwitschern.
Die Bäume blühen.
Neben mir wird gerade gegrillt.
Menschen lachen.
Kein einziger Fernsehton weit und breit.
Bin ich gar bereits in einer neuen Gruppe?

Ein wirklich gutes Achterl Wein steht bei mir am Tisch. Nicht irgendein „grausliches Geschlottere“ vom Wirten (Kategorie: Frechheit), sondern ein sehr guter, sehr preiswerter Wein von einem niederösterreichischen Weinbauern. 2 Euro der Liter. Müller-Thurgau. Den genieß ich. Meine Frau sagt: „Es ist so schön hier.“ Sie sitzt neben mir und hat einfach nur die Augen zu. Egal, was wir uns zwischendurch sagen: Es harmoniert.
Dass es so was überhaupt gibt, nach fast acht Jahren permanenter Ehe.

Die meisten Politiker zwischen Ballhausplatz und Washington fadisieren mich inzwischen bis zur ohnmächtigen Aggression. Ab heute sehe ich allerdings keine Veranlassung mehr, ihnen jeden Tag medial zu begegnen. Ich reg mich auch gar nicht mehr auf über die Politik.
Einfach abschalten.
Das Wesentlichste – ob grad ein grenznahes AKW brennt, oder nicht – erfahr ich sowieso.

Für mich ist es sinnvoll und wunderschön, jetzt, hier zu schreiben. Dadurch kann ich meine Gedanken ordnen.

Neben mir hat gerade eine süße Katz’ Platz genommen. Eine vierbeinige. Wir kennen einander schon länger. Aber noch nie saß sie länger als zwei Minuten neben mir. Jetzt sind’s schon 30 Minuten.
Da sie am liebsten Extrawurst hat, habe ich ihr zuletzt immer Trockenfutter gegeben.
Warum, weiß ich nicht.
Soeben hab ich ihr allerdings ein Blatt Extrawurst serviert.
Okay. Zwei.
Mich freut, dass sie sich freut.
Mir scheint, Katzen würden Extrawurst kaufen...

Basic thing: Wenn möglich, in einen kleinen, eigenen Garten investieren. Z.B. in einen Schrebergarten. Durchaus auch auf Pachtgrund. Herrlich, so ein kleines, ganz persönliches Platzerl eigene, freie Natur, das „meines“ ist: Mein Baum. Mein Rasen. Meine Blumen. Mein LEBEN um mich herum.

Ich hab nicht die neuesten Klamotten.
Ich hab nicht das modernste Auto.
Ich hab keinen neuen HDTV-Dolby-sehr-laut-Fernseher.
Ich geh kaum Essen.
Ich kauf keinen Schnickschnack.
Aber, ich hab seit kurzem mein Platzerl Natur.
Meine Kinder zeigen mir gerade eine Nacktschnecke, die ich in meinem ganzen Leben noch nie live gesehen habe.

Jetzt, mit fast 40, hab ich erkannt, wie wichtig das ist und wie glücklich das macht.
Und vielleicht werde ich mit der Zeit noch mehr erkennen.

In meinem Leben gibt es Dinge, die mir gut tun.
Und es gibt Dinge, die mir nicht gut tun.
Das versuche ich jetzt zu ordnen – und zu trennen.
Die Dinge, die mir gut tun, werde ich wohl eher beibehalten und verstärken. Die negativen Einflüsse werde ich, so gut es geht, eliminieren.
Ich bin nämlich felsenfest davon überzeugt, dass mein Leben dadurch noch heiterer und schöner wird.

Ich versuche, im Jetzt zu leben.
Ganz bewusst.
Wenn ich einen Schluck trinke, dann trinke ich.
Dann zelebriere ich.
Genuss pur.
Wenn ich ein kleines Stück Schokolade esse, dann genieße ich das ebenfalls.
Ich versuche, nichts mehr „nebenbei“ zu machen.
Auf eine Sache konzentrieren, und dann die nächste angehen.

20.00 Uhr.
Worauf freue ich mich heute noch?
Den Kindern „Gute Nacht“ sagen.
Und ihnen eine kleine Geschichte erzählen.
Das lieben sie.
Dann sind sie glücklich.
Und dann bin’s auch ich.

Danach Duschen.
Nicht Schnell-Schnell.
Intensiv duschen.
Nicht irgendein Gel.
Sondern, „mein“ Gel.
Mein Duft.
Langsam einseifen.
Genießen.
Wasser ist ... Leben.
Lange Zähne putzen.
Bewusst Zähne putzen.
Es ist nie zu spät...

Danach Engelbert Humperdinck oder Gilbert Becaud oder ??? in den CD-Player.
Please, release me; Lebe wohl...
Leise Hintergrundmusik.
Mit meiner Frau den morgigen Tag planen.
In aller Ruhe.
Ohne morgendliche Hektik.

Worauf freuen wir uns schon heute?
Was werden wir morgen gutes Essen?
Wie können wir es uns so schön wie nur möglich machen?
Was können wir selbst dazu beitragen, damit es uns gut geht?
Wen werden wir anrufen?
Werden wir wen anrufen?
Welche Zeit beanspruchen unsere beruflichen Verpflichtungen?
Laden wir uns am Wochenende spontan Gäste ein?
Wen?
Mit wem fühlen wir uns am wohlsten?
Diskutieren wir doch mit unseren besten Freunden darüber, dass wir unser Leben jetzt ein bisserl ändern wollen.
Vielleicht haben’s die Freunde auch schon versucht. Oder vor.

Wem werden wir morgen absagen?
Können wir das überhaupt noch?
Ja? Nein?

Leisten wir uns doch ab sofort auch den Luxus, auch einmal „Nein!“ zu sagen...
Muss ja nicht gleich beim Chef sein.

Ich habe mir bereits Gedanken darüber gemacht, welche Personen und Situationen meinem Leben, meinem Wohlbefinden, schaden. Mehr noch: Darüber habe ich mir sogar eigens eine Liste gemacht!

Und, ich habe bereits damit begonnen, konsequent auszulassen.
Nicht nur beim Fernsehen.

Auch ein ganz bestimmter Supermarkt wird mich nie mehr wieder sehen. Bisher habe ich mich über das Sortiment und das Personal dort einfach nur geärgert. Jetzt geh ich woanders hin.
Wer (sich) verändern möchte, muss eben neue Wege suchen und offen für Neues sein.
UND ES AUCH TUN!!!

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