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Rainhard Fendrich: Der Kokain-Kommentar

(10.5.2006)
Als ich hörte, dass Rainhard Fendrich ein (teils recht pointiertes) „Kokain-Ferrari-Geständnis“ abgelegt hat, war mein erster Gedanke: Bringt der schon wieder eine neue CD heraus...?

Er hat Millionen verdient.
Und ist in Wahrheit trotzdem so arm...

Zuletzt traf ich Rainhard Fendrich im Jänner dieses Jahres - im Wiener Hotel Triest, anlässlich seines Albums „Hier + jetzt“. Da sagte er mir:

„Die Vergangenheit ist vorbei und nicht änderbar. Ihr nachzuhängen, hat überhaupt keinen Sinn. Es ist meine Lebens-Philosophie, dass ich mich über das Jetzt freuen kann; dass ich das Jetzt auch genieße. Es gibt ja Leute, die können einen Sonnen-Tag nicht genießen, nur weil sie wissen, dass es morgen wieder regnen wird...“

„Die Vergangenheit ist vorbei und nicht änderbar...“, sagte er.

Doch, den Tod seiner kleinen Tochter Theresa-Valentina (sie starb 1989 als Baby) hat er nie überwunden...

Dann die schmerzliche Trennung von seinem Manager Herbert Fechter.

Die Steuergeschichte. Nachzahlungen.

Die schmutzige „Unterhosen-Scheidung“ von Andrea. Sein gekränktes Selbstbildnis als „Jahrhundert-Hirsch“.

Die ebenfalls öffentlich ausgetragenen Konflikte mit seinem pubertierenden Sohn Lucas, der irgendwie suggerierte „Der Papa bin i!“ usw.

Im Duett mit seiner Verlobten singt Rainhard Fendrich jetzt, ziemlich leise: „Nimm mir einfach nur die Angst“.
Und Rainhard Fendrich hat Angst.
Im Gespräch sagte er mir:

„Ich habe Angst. Ich habe Angst, in ein Flugzeug zu steigen. Ich habe Angst, in ein arabisches Land zu fahren. Ich habe Angst, wieder nach Thailand zu fahren. Ich habe Angst, an den Indischen Ozean zu fahren. Ich habe überhaupt Angst am Meer, denn, wer weiß, wo ein Tsunami ist. Ich bin froh, dass ich in Mallorca 300 Meter über dem Meer wohne. Reinhard Mey hat zu mir gesagt: ,Wohne während einer Tournee in einem Hotel nie über dem fünften Stock - weil die Feuerwehrleiter nur bis zum fünften Stock kommt. Alles, was höher ist, musst du springen...’ Weiters meinte er: ,Schau dir immer die Notausgänge an in einem Hotel, das du nicht kennst. Ziehe die Kleidung immer so aus, dass du jederzeit in die Schuhe hinein kommst. Weil, wenn der Boden brennt, kommst du bloßfüßig nie wieder raus.’ Und solche Sachen überlege ich mir auf Tourneen“, gab Fendrich zu. „Ich lebe mit der Angst. Der Reinhard Mey hat einmal einen Hotelbrand miterlebt – der weiß, wovon er redet... Ängste sind immer da. Doch, dürfen sie einen nicht auffressen. Sonst kann man sich über nichts mehr freuen...“

Möglicherweise ist Fendrich in die Drogen geflüchtet - aus Angst, oder aus seinem tiefen Unglück heraus, im Stress.

Viele werden ihn jetzt, nach der „Kokain-Beichte“, verdammen.
Andere werden weiterhin zu ihm stehen...

Nachdem Konstantin Weckers Drogenproblem bekannt wurde, sagte mir Fendrichs „Austria 3“-Partner Wolfgang Ambros, dass er seine Gefühle für einen Menschen nicht davon abhängig macht, ob dieser zum Beispiel gerade in ein Kokain-Problem verwickelt ist oder nicht. Wahre Gefühle wie Liebe und Freundschaft lassen sich auch nicht einfach „abdrehen“ bzw. ausblenden. Wenn man sich zu einem Menschen bekannt hat, wenn man einen Menschen wirklich mag, so hat man einfach die Pflicht, diesen Menschen auch dann bei zu stehen, wenn er mal einen Fehler macht oder sich in einer schwierigen Lage befindet. Es ist ganz leicht, so Ambros damals, auf jemanden hinzutreten, der ohnehin schon am Boden liegt. Wesentlich schwieriger hingegen ist es, dieser Person wieder auf die Beine zu helfen. Das erfordert mitunter nämlich wirklich Zeit, Kraft und Ausdauer...

Ich würde mir wünschen, dass gleich morgen ALLE (!) Prominenten, die jemals Drogen konsumiert haben, solidarisch aufzeigen, gemeinsam aufstehen und mit dem Fendrich zusammen im Chor „We are from Austria!“ singen.

Denn, dann hätte selbst diese Geschichte etwas (entwaffnend) Heiteres...

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