(7.12.2005)
-VON UNSEREM USER MARKUS-
Mir fällt auf, dass ich mich zusehends zum Menschenfeind entwickle. Das heißt, meine Familie mag ich schon.
Aber sonst eigentlich keinen.
Ich bin 40 Jahre alt und lebe in Wien. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder. Ich arbeite als...
Seht ihr, das möchte ich euch zum Beispiel gar nicht sagen. Ich möchte nicht Auskunft geben über mich.
Ich hasse auch diesen Small-Talk, dieses permanente Angequatscht-werden. Egal wo du bist, irgendeiner kommt immer daher und fragt dich: „Na, wie geht’s?“
Und wenn du sagst: „Danke gut“ und drehst dich weg, hüpft er dir schon wieder vors Gesicht und erzählt. Zunächst von sich. Erzählt... und erzählt... und erzählt... Und dann erzählt er auch noch von Menschen, die du gar nicht kennst, die du nie gekannt hast und die du auch niemals kennen lernen möchtest. Aber, dein Gegenüber zwingt dich dazu.
Am liebsten würde ich dieses lästige, aufdringliche, unsympathische Ding, diesen Verbal-Vergewaltiger, anbrüllen: „Halt endlich deine verdammte Klappe!!! Das interessiert mich alles nicht!!!“
Aber, irgendwie schaffe ich das nicht.
Also nicke ich höflich. Und warte, bis es sich von selbst wieder verflüchtigt.
Doch, mein Tag ist gelaufen.
Ich möchte einfach nicht belästigt werden. Ich möchte nur meine Ruhe haben.
Postbote läutet an meiner Türe. Ich Vollidiot öffne – und der Postler fragt mich, ob ich ein Päckchen für den Nachbarn übernehmen möchte.
Nein, möchte ich nicht!!!
Und das Ärgste ist, dass ich mich dafür auch noch rechtfertigen muss. Die Frage: „Wieso lässt sich der Nachbar was liefern, wenn er genau weiß, dass er zum Lieferzeitpunkt gar nicht zu Hause ist?“, bleibt unbeantwortet.
Ich jogge. Bin voll im Rhythmus. Neben mir hält ein Auto an – und ich – ausgerechnet ich, der Jogger !!! - werde um eine Adresse gefragt: „Kannst du mir sagen, wo ist Straße XY?“
Wieso muss ich jetzt meinen Dauerlauf unterbrechen? Wieso hat dieser Ahnungslose keinen Stadtplan im Auto? Wieso fragt er - bei rund 8 Millionen anderen Österreichern - ausgerechnet mich?
Ich mag einfach nicht stehen bleiben. Ich mag nicht mit ihm reden. Die Straße XY ist mir Wurscht. Das interessiert mich alles nicht. Ich will einzig und allein meine Ruhe haben.
Das Telefon läutet. Erraten!
Eine muntere Damenstimme von der ...
... Meinungsforschung.
Ob ich zwei Minuten Zeit hätte, werde ich gefragt.
Meine Verbalinjurien treffen zwar eine Abgebrühte...
... dafür aber voll!
Mein Hörer knallt in die Gabel – das Telefon ist kaputt.
Gott sei Dank.
Shopping-Tour im Einkaufszentrum – mit diesen kleinen Verkaufsständen, die dir den Weg verstellen.
Nein, ich will nicht spenden. Nein, ich will kein neues Handy. Nein, Refill-Patronen habe ich bereits. Nein, ich will weder Reise noch Auto gewinnen. Und auch keinen neuen Internetzugang! Nein! Nein! Naaaaiiiinnnnn!!!
So eine Shoppingtour ist der reinste Selbstverteidigungskurs.
Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mir helfen soll.
Und, was macht die Kaufhaus-Security?
Die konzentriert sich auf ihre Leberkässemmel...
Frohe Weihnachten...
... und liebe deinen Nächsten...