30 Jahre nach dem denkwürdigen 3:2 des österreichischen Fußball-Nationalteams gegen Deutschland bei der Fußball-WM in Argentinien (1978) erfahren wir endlich, wie es damals wirklich war...
Im Stadion hörte man primär den etwas rundlichen ORF-Radioreporter. Dieser Mann war unheimlich aufgeweckt, goschert – und laut. Ein richtig schlimmer Finger.
In diesem Fußballmatch ging es bekanntlich um die Fußballweltmeisterschaft. Eine Milliarde Zuschauer im Stadion. Noch mehr vor den TV-Geräten beim Dorfwirten. Doch die eigentliche Dramatik, die spielte sich zunächst hinter den Kulissen ab:
Österreichs Team-Tormann Friedl Koncilia wollte den Mittelstürmer Hans Krankl ursprünglich gar nicht mitspielen lassen. Der Grund: Pennys-Neid.
Am Vorabend, an der Hotel-Bar, so gegen 2 Uhr nachts, nahm der sichtlich gezeichnete Koncilia seinen Teamchef Helmut Senekowitsch via Krawattl zur Seite. Koncilias Drohung: „Wenn der Hans mitspielt, lass i zwa durch...“
- Sowohl Senekowitsch, als auch Koncilia blieben letztendlich konsequent.
Am Morgen des Spieltages erwachte Österreichs Mittelfeld-Diva Herbert Prohaska (gegen 11.30 Uhr) mit einer schweren Depression unter seiner Nachthaube. In seinem unruhigen Schlaf hatte er sich nämlich sein Lieblings-Schneckerl ausgerissen.
Prohaska war verzweifelt. Sein Einsatz im alles entscheidenden Match gegen die Bundesrepublik schien, wenige Stunden vor Spielbeginn, mehr als fraglich. Gott sei Dank hatte Edi Krieger in der Nacht zuvor die argentinische Bar-Tänzerin Sabatina Uhu (18) kennen gelernt. Und Uhu legte nun Hand an, bei Schneckerl.
Immer noch etwas verwirrt lief Herbert Prohaska, Stunden später, aufs Spielfeld. Zunächst allerdings auf das falsche.
Er wurde abgeführt und ins richtige Stadion überstellt.
Dass Prohaska auch sein Trikot-Leibchen verkehrt an hatte, fiel allerdings wirklich niemandem auf. Rückennummer 8...
Anfangs sah es ganz so aus, als ob die Deutschen dieses Spiel in der letzten Minute gewinnen würden.
Sie hatten ja auch einen Mann mehr auf dem Platz. Einen Schwarzen.
Das ganze Match über wurde „Schneckerl“ Prohaska von Robert Sara und Erich Obermayer, ob seines mit Uhu aufgeklebten Lieblings-Schneckerls, gehänselt. Das hat ihnen der Herbert nie verziehen. Jahre später engagierte Prohaska die beiden als seine Co-Trainer bei Austria-Wien. Und alle verloren sie ihre Jobs...
Es stand gerade 1:0 für Deutschland, als sich Österreichs Bulldozer Willy Kreuz dem deutschen Kapitän Berti Vogts von hinten näherte und ihm die legendären Worte „Geile Sau!“ ins Ohr flüsterte.
Wir sehr Vogts dies motiviert haben muss, dokumentierte Vogts’ prachtvolles Eigentor, wenige Sekunden später.
1:1! Der schlimme Finger in der Reporter-Kabine fasste sich zum ersten Mal ans Herz.
„Host du eigentlich a a Funktion do?“, brüllte Friedl Koncilia – quer übers Spielfeld - in Richtung „Hans im Pech“. Und jetzt erkannte Österreichs Stürmerstar, dass er heute ja gar keinen feinen Maßanzug trug, ja nicht einmal polierte Designer-Schuhe. „Oida! I spü’ jo mit!“, kam Krankl nun endlich in den Sinn, und er rannte voll drauf los. Zwar ohne Ziel, aber er rannte. Immerhin.
Fassungsloses Publikum.
Szenen-Applaus.
Plötzlich aber, ging es nicht mehr weiter – denn Krankl stand bereits mitten drin im gegnerischen Strafraum – vor einem breit grinsenden Sepp Maier.
„Scheiße, a Piefke“, dachte Krankl, und schon wollte er wieder umkehren – ehe ihn ein Ball mit voller Wucht an der Brust traf.
„Aua!“, brüllte der Hans. „Wöcha Trottl woa des? Na woart nur!“ Und Krankl trat nun voll des Zorns auf das runde Leder.
„Tooooor! 2:1 für Österreich!“
Eine Horde Wilder in rot-weißen Dressen (einer mit der verkehrten) stürmte daraufhin auf Krankl zu – doch der war natürlich viel zu müde, um wegzulaufen. In den folgenden zwei Minuten wurde Hans Krankl am Spielfeld zum ersten Beinahe-Opfer einer kollektiven Männer-Gangbang.
Der Ausgleichstreffer der Deutschen (praktisch im Gegenzug) ging an der gesamten österreichischen Mannschaft spurlos vorbei. In ihren Gedanken waren die starken Männer eben immer noch bei ihrem schlauen Hansi. Und auch ihm schien die unerwartete Schmuserunde zwischen Mittellinie und Strafraumgrenze irgendwie gefallen haben. Denn, jetzt wollte er mehr...
88. Minute: „Und jetzt kann Sara sich noch einen aussichtslos scheinenden Ball einholen. Passt nach links herüber. Es gibt Beifall für ihn. Da kommt Krankl vorbei, diesmal an seinem engen Bewacher, ist im Strafraum – Schuss: Tor! Toooor! Tooooor!!! I werd’ narrisch! Krankl schießt ein! 3:2 für Österreich!!!“ Der schlimme Finger in der Reporter-Kabine leert ein Flascherl Herz-Tropfen auf Ex.
Neckisch frohlockend, versucht der Goleador nun, seinen immer mehr werdenden Mannschafts-Kollegen davonzulaufen – ohnedies immer wieder sehnsuchtsvoll zurückblickend, nach dem Motto: „Ja, wo bleibt’s denn?“ Schließlich lässt er sich aber dann doch, an der Outlinie, in gut zwei Dutzend starke Männer-Arme fallen.
Kurzum: Österreich ist Fußball-Weltmeister.
Hans Krankl Weltfußballer des Jahres.
Außerdem wurde Österreich damals auch noch vielumjubelter Gruppen-Letzter:
1. Holland
2. Italien
3. Deutschland
4. Österreich