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Heitere Story: So war's am Meer...
Der Tag vor der Abreise ins Familienhotel
Der Papa ist bekanntlich eine treue Seele. Der Abschied von seinen Freunden in der Heimat bereitet ihm großen Kummer. Also entschließt er sich zur feuchtfröhlichen „I’ll be back-Party“ im niveauvollen 2-Sterne-Gasthaus. Als er gegen 23 Uhr nach Hause kommt, liegen die Kinder (Mädchen 15, Bub 7) bereits im Bett - und die Ehefrau hat alle Koffer gepackt. Perfektes Timing! Danke, Schatz!
Tag 1
Mama, Papa und die Kinder reisen im engen Billigflieger. Es geht auf eine griechische Insel. Papa hat sich zwar nicht gemerkt, auf welche genau („Ist eh egal“), aber er hat ja die Mama mit. Ruhiger Flug: Papa verteilt insgesamt nur drei Ohrfeigen - und ein kaum hörbares „Schnauze!“ - für das er sich bei der Stewardess aber auch gleich wieder entschuldigt hat.
Ankunft im Hotel. Die Kinder schlafen extra. Mama packt die Koffer aus, Papa packt auch was aus. Die Hitze, das blaue Meer, der herrliche Strand, die plötzlich um sich greifende Urlaubsstimmung - und vor allem die attraktive Rezeptionistin im grellen Minirock... Kurzum: ihn überkommt’s einfach. Mama soll ran – doch da klopfen auch schon die Kinder. Sie wollen die Gegend erkunden. Sprich: Der 7-jährige möchte überprüfen, ob es hier auch tatsächlich genug andere Kinder gibt. Und die 15-jährige befindet sich mitten drin in der Pubertät...
Tag 2
Wetter super. Papa im Pool (ihm graust nämlich vor sämtlichen Meerestieren), Sohn versucht, mit Flossen den Strand entlang zu sprinten. Tochter schnorchelt zum ersten Mal in ihrem Leben. Mama liegt in der Sonne. Sonnenschutzfaktor 23. Papa entdeckt Pool-Bar. Zwei Promille wie nix. Papa, jetzt ganz mutig, baggert Rezeptionistin an. Erste Verwarnung... Mama ist eingeschlafen – Sonnenbrand. Tochter weckt sie und erkundigt sich bei dieser Gelegenheit nach der „Pille danach“. Sohn verschwunden... Panik. Groß angelegte Suche. Interpol. Zwei Kilometer weiter weg wird ein offenbar vertrottelter kleiner Junge mit Flossen im Sand entdeckt.
Tag 3
Wetter super. Papa am Pool... Alles wie gestern, nur: Mama im Schatten, Sohn an der Leine, Tochter will heute im Zimmer bleiben. Mit dem Typen von gestern ist es längst aus – die Filme im Pay-TV animieren sie mehr.
Tag 4
Kultur-Tag! Bus-Ausflug in die Altstadt. Mama freut sich drauf – also darf sie allein fahren. Papa am Pool. Diesmal zusammen mit Flossen-Sohn. Tochter geht „nur mal schnell“ an die Bar. Drei Stunden später kommt sie wieder (fällt gar niemandem auf). Abends, im Bett, erzählt Mama von ihren Besichtigungen, Papa schläft ein dabei.
Tag 5
Wetter super. Papa am Pool. Mama traut sich wieder in die Sonne – Sonnenschutzfaktor 34. Endlich eine ganztägige Kinderbetreuung für den lästigen Flossen-Sohn gefunden. Tochter fragt, ob sie ein bisschen allein am Strand spazieren gehen darf. Warum nicht, sie ist ja alt genug...
Gemütliches Abendessen: Pizza. Spaghetti. Pasta. - Typisch griechische Gerichte eben. Nur die Tochter isst nichts. Ihr ist schlecht.
Der Sohn fragt, ob er heute ausnahmsweise im Zimmer bei Mama und Papa schlafen darf – und freut sich über die 10 Euro, die ihm seine Schwester dafür in die Hand gedrückt hat...
Tag 6
Auf Anraten seiner Frau will sich Papa heute erstmals sportlich betätigen. Wasser-Ski ist angesagt! Schon nach fünf Versuchen legt er die unglaubliche Distanz von zehn Metern zurück. Die Familie applaudiert. - Der Sohn mit den Flossen.
Die Tochter bedankt sich beim Wasserschi-Lehrer auf ihre Art.
Papa spielt bei einem Tischtennis-Gästeturnier mit. Beim Stand von 1:17 gegen einen offensichtlich etwas begabteren holländischen Gast kommt es zum Eklat. Papa gestikuliert, dass er bei einem Service des Holländers doch noch nicht „ganz ready“ war, doch der Holländer ignoriert das einfach und spielt weiter. Papa wirft seinen Schläger zu Boden, zerdrückt wütend den Ball, stürmt auf seinen Gegner zu, nimmt ihn in den Schwitzkasten und schlägt ihm mit der Faust fünfmal auf den Kopf. In weiterer Folge wälzen sich beide Turnierteilnehmer am Boden – Disqualifikation wegen unsportlichen Verhaltens. Der Holländer protestiert – und bekommt dafür noch eine verpaßt.
Papa wechselt auf den, ihm weitaus vertrauteren, Platz an der Pool-Bar und erzählt (mehrsprachig), dass er den „depperten Holländer“ geschlagen hat.
Tag 7
Papa erinnert sich, dass er doch eigentlich mit seiner Familie hier ist und legt einen „Familientag“ ein. Der Sohn bekommt von ihm – zehn Minuten vor dem Mittagessen - gleich zwei Eis in die Hand gedrückt und sieht in seinem Papa plötzlich wieder den einzig, wahren Helden.
„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um unsere Tochter aufzuklären“, denkt sich das weise Familienoberhaupt, als es die pubertierende Tochter gerade bei Wasserspielen im Meer (mit drei Animateuren) beobachtet. Papa ruft seine Tochter herbei, um mit ihr, in einem nahegelegenen Cafe-Haus, schnell mal die wesentlichsten Punkte einer zeitgemäßen Aufklärung durchzugehen. Doch schon nach fünf Minuten bricht die Tochter diese Sitzung ab - mit dem Hinweis, sie müsse jetzt Mathe-Hausübungen machen. Papa ist stolz auf sein pflichtbewusstes Mädchen – und bestellt sich die zweite Flasche Sangria.
Papa will sich nun etwas seiner, in der Sonne dahin schmorenden Ehefrau widmen, und fragt sie, ob sie was trinken wolle. Leider hat er sie mit dieser „hart, aber herzlich“ formulierten Frage aus dem Tiefschlaf gerissen, und die bessere Hälfte wird darob ziemlich grantig. Und zwar nachhaltig. Kurzum: der Tag ist gelaufen...
Tag 8
Papa und der, via Mund-zu-Mund-Beatmung wieder ins Leben zurück geholte, Holländer vom Tischtennis sitzen nun an der Pool-Bar zusammen und einigen sich mit lallender Zunge darauf, dass es sich beim unfreiwilligen Aufeinanderprallen ihrer, offensichtlich aus der Kontrolle geratenen, Körperteile um einen bedauerlichen Unfall gehandelt hat. Nein, man werde weder Anwalt noch Versicherung einschalten...
Der Sohn hat Eintages-Fieber, die Mama ist bei ihm am Zimmer – und hat dort eine herrliche Aussicht aufs Meer.
Die Tochter schließt sich einer Gruppe motorradfahrender Italiener an, mit dem glaubhaft artikulierten Ziel, das Land zu erkunden.
Tag 9
Die Tochter feiert ihren 16. Geburtstag – und verkündet bei dieser Gelegenheit nicht ohne Stolz, dass sie den 48-jährigen Italiener vom gestrigen Landausflug gerne heiraten möchte. Die offensichtlich etwas vorurteils-behafteten und konservativen Eltern verneinen dieses Ansinnen reflexartig, und die Tochter verlässt fluchtartig und unter Tränen ihre eigene Geburtstagsfeier.
Auch der Flossen-Sohn möchte jetzt weglaufen, doch der Papa stellt ihm ein Haxerl, wodurch das Flossen-Kind mit dem Gesicht unsanft im Sand landet. Das, wie von Sinnen brüllende, Kind ist für den, bei solchen Gelegenheiten, eher nervenschwachen Vater nun nicht mehr länger zu ertragen, und der Papa entscheidet sich für eine Großbestellung in eigener Sache an der Pool-Bar (wo man zwischenzeitlich einen eigenen Platz für ihn reserviert hat).
Tag 10
Der Flossen-Sohn geht allein in Richtung Meer - und als die Mama neben ihrem Liegestuhl zwar die verwaisten, roten Schwimmflügel, aber nicht ihren Sohn entdeckt, wird sie doch einigermaßen unrund. Papa ist sicherheitshalber außer Rufweite, und die Tochter irgendwo. Die nunmehr auf sich allein gestellte Frau erkennt in einem Anflug an intellektuellem Höhenflug, dass die größte Gefahr für ihr Kind (Kategorie: Nichtschwimmer) im Moment wohl im endlos weiten, tiefen Meer liegt, und sie sprintet ebendort hin. Aus der Ferne sieht sie an der Wasseroberfläche tatsächlich zwei blaue Schwimmflossen treiben, in deren unmittelbarer Nähe sie ihr Kind wähnt. In weltrekordverdächtiger Geschwindigkeit krault die Mama zu den Flossen, doch an ihnen hängt kein Kind.
Dieses weint nämlich gerade am Strand aus nur einem Grunde: seine Flossen trieben aufs Meer hinaus...
Tag 11
Die Tochter ist einigermaßen stolz darauf, zur ersten"Beach-Party ihres Lebens eingeladen worden zu sein. Doch bevor sie dorthin aufbrechen will, fragt sie bei der Mama nach, was genau denn das sei und was sie dorthin mitnehmen solle. Doch die Mutter weiß das nicht. Der anschließend befragte Papa kommt, ob dieser Frage, zwar ins Schwärmen und verfällt sogar sentimental-weinend in unvergessliche Jugend-Erinnerungen - schließlich verbietet er seiner Tochter aber ihre Teilnahme an diesem sogenannten „nächtlichen Meeting mit Freunden am Strand“.
Indes experimentiert der kleine Sohn ein bisschen herum und kommt zur Erkenntnis, dass er relativ weh tut, wenn man sich beide Flossen gleichzeitig an die Ohren knallt.
Tag 12
Papa ist draufgekommen, dass die Kinder Oma und Opa noch gar keine Urlaubs-Karte geschrieben haben. Das Problem: die Kinder lehnen dies kategorisch ab. Also schickt Papa an die Großeltern eine SMS. „Hoffe, Ihr habt euch über die Karten gefreut – und sie sind nicht verloren gegangen...“
Tag 13
Der letzte Urlaubstag. Der letzte laue, romantische Abend am Meer. Die Kinder schlafen bereits – vor allem die Tochter ist ziemlich geschafft. Papa und Mama sitzen bei Kerzenschein am Balkon und erkennen, dass drei Liter Rotwein - zu Zweit, in weniger als drei Stunden – tatsächlich zu bewältigen sind.
Es kommt zu dem, was in den vergangenen 12 Tagen immer und immer wieder irgendwie etwas aufgeschoben wurde, was aber in jeden Urlaub zumindest einmal passieren sollte, um weiterhin von einer intakten Ehe sprechen zu können.
Nach getaner Arbeit verflüchtigt sich der Mann ein letztes Mal an die Hotel-Bar, um sich bei einem Liter Bier vom Holländer und von der Rezeptionistin zu verabschieden. Die Frau schläft ein, mit dem höchst angenehmen Gefühl, doch noch begehrenswert zu sein. Gedanken an einen eigenen Höhepunkt verweist sie auf den nächsten Urlaub.
Tag 14
Rückflug nach Österreich.
Mama und Papa freuen sich, im Flieger jetzt mehr Platz zu haben, als beim Hinflug. Erst beim Landeanflug merken sie, dass ihnen doch irgend etwas fehlen dürfte.
Zur gleichen Zeit suchen auf einer griechischen Insel ein Bub und ein Mädchen nach Papa und Mama...
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